24 Stunden Extremes Burgenland - Outdoorführer

24 Stunden extremes Burgenland

Am 22. Jänner wurden heuer schon zum 5. Mal die 24h Burgenland Extrem Tour und der Lauf veranstaltet. Der Tag fiel in einem ziemlich kalte und sehr eisige Zeit.

Symposium und Kaiserschmarrn

Diesmal waren auch wir offiziell zur Extremtour eingeladen und machten uns deshalb schon am 21. nach Oggau, den zentralen Ort der Veranstaltung, auf. Neben dem Symposium, das für den Vorabend organisiert worden war, war der Kaiserschmarren, der schon im Vorhinein kredenzt wurde, die frühe Ankunft in Österreich wert.

Auf dem Symposium wurden uns nicht nur allerlei wertvolle Informationen vermittelt – über die ärztliche Versorgung der Veranstaltung, Erfahrungen früherer Teilnehmer usw. -, sondern auch alle Sponsoren kamen zu Wort. Das führte dazu, dass der Abend sich zog wie ein Strudelteig und die grundsätzlich gute Stimmung den Bach hinunterging. Die Zuhörer rutschten auf ihren Sesseln hin und her, man sah den meisten an, dass sie langsam lieber schlafen gehen würden, dennoch hielten viele heldenhaft stand und klatschten bei jedem neuen Gesicht, das die Bühne betrat.

Zwischen 8 und 9 war‘s dann vorbei. Auch wir konnten es kaum mehr erwarten, in unsere Betten zu kommen, nachdem sich der Weckruf um 3 Uhr mit riesigen Schritten näherte. Nach dem Packen und der Vorbereitung unserer Kleidung hatten wir für ungefähr fünf Stunden Schlaf Zeit. Als das Piepsen des Weckers die Dunkelheit der Nacht zerschnitt, wollten wir unseren Ohren nicht trauen! Jede Faser unseres Körpers protestierte gegen das Aufstehen.

Von nun an ging alles in einen hysterischen Amoklauf über:

3:10 – ein schneller Blick aus dem Fenster (ohne Ergebnis) und einer auf das Wetter-App – Tourenhose, Unterwäsche, zwei verschiedene Jacken (wer weiß, wie warm uns wird), Kopftuch, Haube, zwei Paar Handschuhe… alles in den Rucksack gestopft, und natürlich Proviant, Müsli- und Energieriegel, eine leere Thermoskanne, in die wir dann den Tee einfüllen, 1,5 l Wasser und ein wenig gezuckerte Limonade…

3:20 – Oh, was brauchen wir denn noch… wir haben alles beisammen… ein schnelles Frühstück an der Rezeption, das uns der Wirt vorbereitet hat; zwei Wurstsemmeln stecken wir uns ein, sicher ist sicher, wir hüpfen ins Auto, denn wir möchten Start und Ziel, die sich in 10 km Entfernung befinden, so früh wie möglich erreichen.

3:35 – Das Wetter ist eisig, die Scheiben des Autos sind angefroren… aaaah, warum funktioniert denn gerade jetzt die Heizung nicht? Der Motor wird langsam warm, Minute um Minute verstreicht… und wir blasen die -5 °C kalte Luft an die Scheiben, kein Wunder, dass die Eisblumen nicht verschwinden wollen!! Ok, von außen kratzen, von innen wischen… kein Ergebnis, wir sollten aber endlich fahren…

3:45 – Unterwegs… ok, wir sehen nichts, Fenster runter… nein, das wird so nichts… wir bleiben stehen, ein Autofahrer hupt uns voller guter Absichten an… kein Problem, Kratzen-Wischen, durch die unteren 10 cm der Scheibe sehen wir nun die Straße… das gibt‘s doch nicht… langsam arbeiten wir uns bis nach Oggau vor.

4:10 – Auto parken…PAAAAARKEN!!! Aber wo denn bitte!? Das kleine Dorf war da schon brechvoll mit den rund 1700 Teilnehmern, unglaublich… in der allerallerletzten Gasse fanden wir Platz… aaaah!!

4:15 – Schon wieder diese Hudelei… zwei Straßen geradeaus, eine links, hopp, hier ist die Hauptstraße, dann noch eine links… und endlich haben wir das Zentrum erreicht. Diese Jacke kann ich wohl jetzt schon ausziehen, es wird mir sonst zu warm, mein Gott, es sind so viele Leute hier, wir passen nicht mehr ins Gebäude… oh, aber wir brauchen doch auch noch Tee… also Prioritätenliste: zuerst Tee, dann Jacke…

4:20 – Das gibt‘s doch nicht. Wie lange ist diese Schlange denn? Selbst um den Tee müssen wir uns anstellen… was!? Er ist aus und alle? Das kann doch nicht wahr sein! Kein Tee. Dann Jackenwechsel, aber schnell… hinein in den Symposiumsraum zu den Sesseln, nanu, hier ist es auch bummvoll, alle wollen sich in den letzten Minuten vor dem Start noch aufwärmen.

4:25 – Wir sind bereit!! Schnell hinausgeeilt, in 5 Minuten Start!! Die Massen wollen das Haus verlassen, wir drängeln uns in Richtung Ausgang, den engen Flur entlang.

4:27 – Endlich sind wir draußen auf der Straße… die Organisatoren halten eine Rede, die begeistern soll, von einer Art Podium. Die Aufregung der letzten Minuten vor dem Start ist hautnah zu spüren, die Teilnehmer, die sich an der Startlinie aufgestellt haben, blasen dichte Wolken in die Luft, sie scharren fast wie Rennpferde in den Startlöchern.

4:30 – Die Startpistole wird abgefeuert! Die Masse setzt sich in Bewegung, die Menschen sputen sich, als wären sie irgendwo entflohen, die Läufer sprengen die Straße hinunter, aber auch die Geher und Wanderer diktieren ein Tempo, das einer Flucht gleichkommt. Wanderstöcke scharren am Asphalt und wir gleiten im Licht von Stirnlampen dahin… wir treiben, die Masse nimmt uns in sich auf… unter unseren Köpfen im Halbschlaf unsere Körper, die sich dem Druck fügen und mithetzen, die Beine setzen automatisch Schritt um Schritt nacheinander, wir marschieren.

4:40 – Wir verlassen das Dorf und biegen auf den Radweg ab… die Stirnlampen sind überflüssig, denn der Mond strahlt wunderbar… ein Sternenhimmel wie aus dem Märchen… wir blicken nach oben, doch im nächsten Moment stolpern wir, wir sind irgendjemandem auf die Zehen getreten, so dicht ist noch das Teilnehmerfeld.

Nach gut 5 km normalisieren sich die Verhältnisse langsam, jeder verfällt in sein eigenes Tempo, das Gedränge ist nicht mehr so unerträglich. Einige Läufer kommen noch nach, wir machen ihnen einfach Platz. Erfahrenere Teilnehmer klären uns auf, dass es am besten ist, die Strecke nach den Labstationen einzuteilen, also in kürzere Abschnitte, dann erdrückt einen die alleinige Vorstellung dieser unglaublich langen Strecke nicht. Die erste Station wurde von den Organisatoren auf ungarischer Seite, bei Balf, 27 km nach dem Start, eingerichtet. Auch vor unseren geistigen Augen erschien bald ein Becher heißer Tee – von dem wir zuletzt nichts mehr ergattern konnten; diesem Hoffnungsschimmer folgten wir den ganzen ersten Abschnitt lang.

Die Nacht war im Übrigen nicht so wahnsinnig kalt, doch als die Sonne aufging fiel die Temperatur so stark, dass selbst der Fotoapparat einfror, während wir ohne Handschuhe an ihm herumfummelten, gefroren auch unsere Handschuhe… wir erreichten Balf als Eiswürfelchen und als wir unsere zittrigen Hände nach dem sehnsüchtig erwarteten heißen Tee ausstreckten… war das wohl der schönste Augenblick unseres Lebens!

In Balf, wo es noch am kältesten war, fanden wir keine geschlossene Aufwärmmöglichkeit. Es berührte nicht nur uns ein wenig unangenehm, dass wir uns – nicht einmal für 5 kurze Minuten – ein wenig vom Frost erholen konnten. Nicht nur wir machten uns nach einigen Bechern Tee und einigen Scheiben Brioche schnell wieder auf den Weg, um das bisschen Wärme, das wir an der Labstation gespeichert hatten, nicht gleich wieder zu verlieren.

Hier in Balf kamen wir mit einigen Mitstreitern ins Gespräch, lernten einen Jungen aus Frankfurt kennen. Er war nur wegen dieses Programms aus Deutschland angereist, doch eine frühere, nicht wirklich ausgeheilte Erkältung zwang ihn nach 27 km zur Aufgabe. Ein anderer Bursche aus Miskolc konnte seine Knie nicht mehr bewegen und war deshalb gezwungen, mit dem Bus zurückzufahren.

Nach Balf waren die Labstationen dann nicht mehr so spärlich gesät, und je weiter sie vom Start entfernt lagen, desto kräftiger wurde die Verpflegung und es gab dann auch geschlossene Wärmestuben.

Die erste herzhaftere Kost gab es nach 59 km in Apetlon, im Gasthaus Weinzettel, in Form eines Paars Würsteln und einer Semmel. Viele vertrauten im Übrigen darauf, dass sie sich an den Labstation das Bäuchlein und die Taschen mit Essen und Energieriegeln vollstopfen könnten, darum hatten manche auch kaum etwas zu essen mitgenommen. Wie sich herausstellte, war das nicht der beste Plan gewesen, denn als sie schließlich Apetlon erreichten, waren sie bereits so hungrig, dass sie nicht ein Paar, sondern 4 Paar Würsteln hätten verdrücken können.

Später wurde das Wetter dann überaus angenehm, die Sonne am blauen Himmel wärmte die Frierenden großmütig. Nachdem es völlig trocken war, wurden die zügig Vorankommenden von Nichts aufgehalten.

An den späteren Stationen, die durchschnittlich ca. 10 km voneinander entfernt waren, wurde überall anständiger Proviant verteilt, in Podersdorf, Neusiedl am See, Jois und Purbach wenigstens eine heiße Suppe, Chili con Carne, Punsch, Glühwein, hausgemachter Saft, Schokolade, Kaffee und Kuchen sorgten dafür, dass man immer noch weitere Kilometer durchhielt.

Ja, in Neusiedl am See, im Pannonenum, waren sogar Elektroheizkörper aufgestellt, Feldbetten und Decken konnten ausgeborgt werden, wenn jemand seine nassen Sachen trocknen und ein kleines Nachmittagsschläfchen machen wollte. Das war übrigens der beste Ort, mit netten Helfern, gedecktem Tisch und reichlich Verpflegung.

Als die Läufer/Wanderer hier ankamen, war es schon wieder dunkel, waren ja schon 86 km zurückgelegt.

Natürlich unterhielten wir uns mit vielen Leuten, auch viele Ungarn waren dabei, die allesamt, trotz ihrer Müdigkeit, der Schmerzen, mit ungebrochener Entschlossenheit, mit einem Lächeln und guter Laune dem letzten Streckenabschnitt entgegen gingen. Jene, die die Tour warum auch immer abbrachen, konnten von Apetlon, Podersdorf, Neusiedl am See mit regelmäßig verkehrenden Sonderbussen nach Oggau zurückfahren.

Die Oggauer Ziellinie wurde zwischen 9-10 am Abend von den ersten überschritten, dann trafen in Abständen von 5-10 Minuten immer ein oder zwei weitere Teilnehmer ein. Von den Organisatoren wissen wir, dass die letzten erfolgreichen Ankömmlinge am 23. Vormittag um 11 Uhr die „Ziellinie“ überquerten.

24h Burgenland Extremlauf/-tour in Zahlen:

– insgesamt 1718 Teilnehmer aus Österreich, Ungarn, Deutschland, der Schweiz und Italien;
– 551 Personen legten die ganze Strecke zurück und erreichten das Ziel;
– die Schnellsten stellten einen neuen Rekord auf: in 9 Stunden und 42 Minuten legten Andreas Sargeder, Gerald Fister und Andreas Fister die 120 km zurück,
– 32 % der Starter erreichten das Ziel;
– es ereigneten sich keine schweren Unfälle, niemand wurde ernsthaft verletzt, Blasen und kleinere Wunden waren alles an Problemen.

„Diese Extremtour ist eigentlich kein Wettbewerb. Jeder, der das Ziel erreicht, ist ein Gewinner!“, sagte einer der Hauptorganisatoren, Michael Oberhauser.

Als weiteren Erfolg sah man die Tatsache, dass die Tour erstmals um eine Fahrradsektion erweitert wurde. Sie soll auch kommendes Jahr wieder stattfinden. Man erhofft sich viele Teilnehmer!