Lauf auf den Großglockner - 13  km und 1200 Höhenmeter - Outdoor Führer

Lauf auf den Großglockner – 13  km und 1200 Höhenmeter

By Kakuk András | June 30, 2016 | Last update on May 18, 2017

Nachdem ich das Ziel erreicht hatte, waren 1 Liter Magnesiumwasser, einige Bananen, ein Teller Suppe, ein Radler, eine Massage, eine Stunde Rast genug, um wieder laufen zu können.

  • Grossglockner

    Di. Mi. Do. Fr.
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    Wind speed 6 km/h 8 km/h 7 km/h 5 km/h
    Precip Probability 4 % 48 % 73 % 54 %
    Precip Intensity Max 0.0 mm/h 0.3 mm/h 0.5 mm/h 0.4 mm/h
    Precip Intensity Max Time 21:00 06:00 15:00 23:00
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„Ich hätte lügen sollen!“

..dachte ich mir, während ich auf den Start des Großglockner Berglaufes wartete. Die 999 Starter wurden laut ihrer Zeitergebnisse in drei Gruppen eingeteilt, wer vor Ort noch keinen gültigen Lauf absolviert hatte, bei dem wurde die beste Halbmarathonzeit als Grundlage genommen.

Ich schrieb sie bei meiner Anmeldung auch ganz ehrlich ins Formular und nachdem es eine nächste Frage: „Wann hast du die Zeit erreicht?“, nicht gab, kritzelte ich meine Zeit von vor 20 Jahren aufs Papier.
Es war vielleicht ein Fehler, ich wartete also zwischen einem fünfköpfigen ostafrikanischen Kontingent und weiteren 300 Holzfällern aus den Bergen auf den Start des Großglocknerlaufs. Das Ziel war es, nach 13  km und dem Überwinden von 1200 Höhenmetern (laufend, kletternd, spazierend, sich dahinschleppend) lebendig das Franz Josef-Schutzhaus auf 2380 Metern zu erreichen.

Die Stimmung war wie auf einem Festival. Der DJ und der Platzsprecher schufen eine wahnsinnige Stimmung und wem das Lampenfieber nicht genügte, der konnte sich mit den Ergebnissen der früheren Jahre hysterisch machen. Die zwei stachelten die Massen mit diversen Statistiken an. Wir erfuhren beispielsweise, dass ein Jahr zuvor die Läufer im Ziel von minus 2 Grad und Schneefall begrüßt wurden. Heuer haben wir Glück. Im Tal hat die Luft rund 25 Grad, auf dem Gipfel 15 Grad bei strahlendem Sonnenschein.

Der Start erfolgte vom Parkplatz des Hunguest Hotels Heiligenblut, dieses Haus hatte auch schon an den Tagen vor dem Wettbewerb mehrere Begleitveranstaltungen beheimatet, z.  B. den Kinderlauf oder die Lederhosenspiele. In dieser Disziplin maßen VIP-Gäste und Ortsansässige ihre Fertigkeiten unter anderem im Gummistiefelweitwerfen, beim Bierlauf und anderen lustigen Aufgaben. Neben dem unverzichtbaren Bierzelt gab es auf einem kleinen EXPO-Gelände Aussteller bzw. für die Teilnehmer Gratismassagen, was sehr gut ankam.

Die Startpistole knallte und ich huschte auf den Weg

Wenn man meine Art der Fortbewegung denn „huschen“ nennen kann. Obwohl die ersten 3  km über relativ flaches, asphaltiertes Terrain gingen, stellte ich mir vor, was mich weiter oben erwartete und drosselte automatisch mein Tempo. Die gnädige Frau neben mir schnaufte schon in der ersten Kurve aus dem letzten Loch, ein bisschen lachte ich sie tief drinnen auch aus. Ich dachte mir: „Wie soll die es später schaffen?“ Natürlich fiel mir gleich wieder ein, dass diese Teilnehmer normalerweise einen rasenden Zielsprint hinlegen, deswegen schraubte ich mein Ego ein wenig zurück… Rund zwei Stunden später stellt sich heraus, dass ich das gerechtfertigter Weise tat. Aber eilen wir nicht so sehr voraus (schon wieder diese Eile…)

Nach 3  km erreichten wir den Wald (die Strecke deckte sich übrigens mit dem ersten Abschnitt des Alpe-Adria-Wanderwegs, nur in umgekehrter Richtung), wo man uns sogleich auch mit einer leichten 30  %igen Steigung gute Laune machte, hier traten alle auf die Bremse und versuchten dieser Aufgabe gehend gerecht zu werden. Es ist wichtig, auf diesem steilen Anstieg nicht zu laufen, denn man wäre dann innerhalb kurzer Zeit fix und foxi. Die Wanderung ging über anderthalb Kilometer, mein Herz pochte schon im Kopf, doch war dann auch die erste Versorgungsstation erreicht.

Die Wahrheit ist, dass dieser Lauf zwar Lauf heißt, doch mehr als die Hälfte der Strecke vom gewöhnlichen Sterblichen wandernd zurückgelegt wird. Der Sieger aus Eritrea wanderte natürlich nicht, er ist jeden Zentimeter der Strecke gelaufen. Glaubt ja nicht, dass ich jetzt hier flunkere. Ich wäre der glücklichste Mensch der Welt gewesen, hätte ich mehr laufen können. Nachdem ich mich über die 30% ige Steigung hinauf gekämpft hatte, war jeder Laufabschnitt das reinste Vergnügen. Ich konnte es kaum erwarten zu laufen. Besonders, weil ich bald bemerkte, dass ich laufend schneller war als alle anderen um mich. Ich konnte alle ziemlich rasch abschütteln. Wenn nur diese Anstiege nicht gewesen wären. Es war alles vergebens, denn die Österreicher, die an Berge gewöhnt sind, überholten mich beim Aufstieg wieder, also lief auf den letzten 900 Metern – auf denen 250 Höhenmeter zu bewältigen waren -, ein ganzes Bundesland an mir vorbei. Ich muss wohl nicht gesondert erwähnen, dass mich auch die Gruppe, die später gestartet war, schließlich ein- und überholte.

Die Strecke verlief im Übrigen durch wunderschöne Landschaften, doch viel Zeit und Kraft blieb nicht fürs Umschauen. Über einen kleinen Bach hinüber, rechts ein Wasserfall… der Reihe nach fantastische Details.

Aber dennoch galt es, sich auf die Leistung zu konzentrieren. Auf dem mittleren Abschnitt gab es mehrere laufbare Streckenteile, die weniger steil, ja manchmal sogar flach waren. Die zweite Hälfte der 13  km lag schon über der Baumgrenze. Der Weg führte einen Stausee entlang und dann auf eine steinige Hochgebirgsstraße. Die Steine sind nicht weiter gefährlich, doch muss man aufpassen, damit kein Unfall geschieht. Als ich darüber nachdachte, trat ich auch gleich auf einen Stein und erfreute die Nachkommenden mit einen Purzelbaum. Also musste ich doch noch ein Kleinwenig besser aufpassen.

Die Organisation was in diesem Zusammenhang übrigens perfekt. Die gefährlicheren Abschnitte wurden durch ein Seil markiert und bei jedem dieser Abschnitte stand ein Bergretter in voller Ausrüstung, für den Fall, dass jemand die falsche Richtung einschlagen hätte.

Das Reich der Murmeltiere durchquerte ich im nicht mehr allzu dynamischen Tempo, doch von hier sah man das Schutzhaus schon und das Panorama der Großglocknerkette tat sich vor meinen Augen auf.

Der letzte Versorgungspunkt kündigte den Anfang vom Ende an. Das Ende in jedem erdenklichen Sinne. Den letzten Abschnitt musste ich mich den letzten Reserven meiner Kräfte bewältigen. Auf dem 930 Meter langen Anstieg steigt der Weg um 250 Meter an, was nichts anderes als ein 250 Meter hohes Hochhaus ist, in dem der Lift nicht funktioniert und man die Treppen hochsteigen muss, um das Dach zu erreichen.

Die Schwierigkeiten kann ich nicht beschreiben, es sei nur so viel gesagt, dass die Ortsansässigen diesen Weg hier „Leiter in den Himmel“ nennen.

Nachdem ich das Ziel erreicht hatte, waren 1 Liter Magnesiumwasser, einige Bananen, ein Teller Suppe, ein Radler, eine Massage, eine Stunde Rast genug, um wieder laufen zu können.

Fachliche Zusammenfassung:

Die Organisatoren haben wirklich beste Organisationsarbeit geleistet. Auf den 13 Kilometern gab es 4 Versorgungsstationen und eine im Ziel. Außerdem verteilen Freiwillige Magnesiumpulver und Wasser. Es ist, meiner Meinung nach nicht notwendig, irgendwelchen Proviant mitzutragen.
Der Streckenverlauf: die ersten 3  km auf Asphalt, rund 6  km Feldwege, der Rest sind steinige Pfade durchs Hochgebirge. Ich bin die Kilometer in Vibram Fivefingers gelaufen, also muss man sich den Kopf nicht darüber zerbrechen, wie stabil die Schuhe sein sollen, die man trägt.
Die vorgegebene Zeit beträgt rund 3 Stunden 30 Min.

Empfohlene Unterkunft: Hunguest Hotel Heiligenblut. Die Startzone befindet sich auf dem Parkplatz des Hotels, die Unterkunft mit Halbpension ist einfach wunderbar, der Wellnessbereich unverzichtbar.

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