Eine winterliche Kanutour Heviz

Zwischen Seerosen – Eine winterliche Kanutour

By Ferenc Benecz | March 21, 2016 | Last update on March 21, 2016

Im Normalfall treibt um diese Zeit, im Februar, im Karpatenbecken General Winter sein Unwesen.

Mit reichlich Eis und Schnee. Neuerdings hat er es nicht mehr so damit, kalt ist es trotzdem. In irgendeinem Gewässer herumzurudern, fällt uns da kaum ein. Es gibt in Ungarn aber einen weltweit einzigartigen Ort, wo wir ein solches Abenteuer unternehmen können, und das ausschließlich in den Wintermonaten!


Der Heviz See

Südwestlich des größten ungarischen Sees, des Plattensees, befindet sich der Hévízer See, der größte Thermalsee Europas. Dieser hat keinen felsigen, wie bei Warmwasserseen üblich, sondern einen moorigen Seegrund. Ein ähnliches Gewässer findet sich nur noch in Neuseeland, doch im dortigen See kann man nicht baden, da das Wasser zu heiß ist. Der See wird von Warm- und Kaltwasserquellen, die in einer 42 Meter tiefen Höhle hervorbrechen, gespeist. Die Exotik dieses Ortes wird durch die roten indischen Seerosen und Sumpfzypressen, die um 1900 hier angesiedelt wurden, noch verstärkt.


Das Wasser des Sees hat heilende und beruhigende Wirkung. Was das Sportlerherz aber höher schlagen lässt, ist die Tatsache, dass dieses Wasser kontrolliert in einen Kanal abgelassen wird (der nach einem längeren Umweg in den Plattensee mündet) und man in diesem Kanal auch rudern kann. Das ist aber ausschließlich im Winter erlaubt. Kaltes Wetter und warmes Wasser sind großartige Zutaten für eine Rudertour mit außergewöhnlicher Stimmung!


  • Hévíz

    Di. Mi. Do. Fr.
    Leicht bewölkt von nachmittags bis abends. Den ganzen Tag lang heiter. Leicht bewölkt von nachmittags bis abends. Abends leicht bewölkt.
    Temperature 29 °C
    19 °C
    30 °C
    18 °C
    30 °C
    20 °C
    29 °C
    18 °C
    Wind speed 19 km/h 14 km/h 13 km/h 10 km/h
    Precip Probability 0 % 0 % 4 % 15 %
    Precip Intensity Max 0.0 mm/h 0.0 mm/h 0.0 mm/h 0.1 mm/h
    Precip Intensity Max Time - - 10:00 12:00
  • Der Heviz See

    Südwestlich des größten ungarischen Sees, des Plattensees, befindet sich der Hévízer See, der größte Thermalsee Europas. Dieser hat keinen felsigen, wie bei Warmwasserseen üblich, sondern einen moorigen Seegrund. Ein ähnliches Gewässer findet sich nur noch in Neuseeland, doch im dortigen See kann man nicht baden, da das Wasser zu heiß ist. Der See wird von Warm- und Kaltwasserquellen, die in einer 42 Meter tiefen Höhle hervorbrechen, gespeist. Die Exotik dieses Ortes wird durch die roten indischen Seerosen und Sumpfzypressen, die um 1900 hier angesiedelt wurden, noch verstärkt.

    Das Wasser des Sees hat heilende und beruhigende Wirkung. Was das Sportlerherz aber höher schlagen lässt, ist die Tatsache, dass dieses Wasser kontrolliert in einen Kanal abgelassen wird (der nach einem längeren Umweg in den Plattensee mündet) und man in diesem Kanal auch rudern kann. Das ist aber ausschließlich im Winter erlaubt. Kaltes Wetter und warmes Wasser sind großartige Zutaten für eine Rudertour mit außergewöhnlicher Stimmung!

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Das perfekte Familienprogramm

 

Hévíz ist unkompliziert zu erreichen, da es kaum 30 km von der ungarischen Autobahn M7 entfernt liegt. Im Reich der Plattenseeweine, Aussichtstürme und Seepromenaden, die auch außerhalb der Saison ihren Reiz haben, ist es für Klein und Groß nicht schwierig, einige erlebnisreiche Tage zu verbringen. Deshalb sollte man im Vorhinein planen, wie viele Tage man sich hier vertreiben will. Kanus können nach vorheriger Anmeldung ganz einfach von der Direktion des örtlichen Nationalparks, Fahrräder für eine kleine Tour in den umliegenden Städten gemietet werden und Winterstiefel und Wanderschuhe finden ganz einfach in unserer Reisetasche Platz.


Erlebnisse auf Wasser

 

Unsere Rudertour startet bei der Ablassschleuse, wo wir Abenteuerhungrigen uns brav anstellen – Kanus und Menschen in abwechselnder Reihenfolge. Es ist nicht sonderlich frostig und Schnee liegt auch keiner, über den Kanal ziehen aber dichte Nebelschwaden dahin. In der Luft liegt leichter Schwefelgeruch, der die entrische Stimmung der Landschaft nur weiter verstärkt. Auf dem Wasser, das von Schilf gesäumt ist, entfalten herrliche Seerosen ihre Blüten... Diese ersten Eindrücke lassen alle Zweifel an der winterlichen Ruderpartie verfliegen, ja man sieht es allen an, dass sie endlich loslegen wollen.

In letzter Zeit werden die Touren hier zahlreicher, darum überrascht es nicht, dass am Startpunkt immer 3-4 Bootsanhänger herumstehen. Um der Stoßzeit zuvor zu kommen, verteilen wird rasch Kanus und Schwimmwesten (obwohl der Kanal durchschnittlich nur einen, anderthalb Meter tief ist) und ab geht die Post!

Je weiter wir uns von der Schleuse entfernen, desto kühler wird das Wasser, damit werden auch die Zahl der Seerosen und die Dichte des Nebels geringer. Die „Aufregungen“ des pfeilgeraden Ruderns werden nach 20-30 Minuten Paddeln von intensiveren Erlebnissen abgelöst.

Zuerst stellt eine rechtwinkelige Rechtskurve die Steuermänner auf die Probe. Dieser starke Bruch im Wasserfluss kann ungeübten Steuerern durchaus schwierige Momente bereiten. Außerdem verengen gleich nach der Kurve die Betonmauern der alten Schleuse unseren Weg. Abhängig vom Wasserstand kann es hier auch zu einer kleinen Rutschpartie kommen! Wir mussten uns diesmal mit kaum spürbaren 5-7 cm Gleiteffekt zufrieden geben.

Nachdem die Aufgabe erfolgreich erledigt war und der angehaltene Atem unsere Lungen wieder verlassen hatte, sahen wir uns auch schon der nächsten Herausforderung gegenüber: einige dicke Rohre verlaufen quer über den Kanal (wahrscheinlich Fernwärme), darunter sind nur 60-70 cm Platz. Nachdem das aus der Ferne sehr wenig zu sein schien, näherten wir uns langsam. Glücklicherweise lagen die Rohre dann doch höher als der Bug des Bootes und wir kamen geduckt leicht darunter durch.

Der abenteuerliche Streckenabschnitt war aber noch nicht zu Ende, obwohl die Brücke, über die die Hauptstraße führt, die nur einige Meter weiter liegt, keine besondere Herausforderung mehr war. Die Gewölbe des Tunnels durchruderten wir fast schon mit Routine.

Auf der anderen Seite der Straße gibt es, im Vergleich zum bisherigen Abschnitt, nur sehr wenig Vegetation. Bisher hatten die üppig wachsenden Wasserpflanzen mächtige Unterwasserinseln gebildet, auf denen der Kiel des Kanus leicht aufsaß und die man dann nur mit einigem an Krafteinsatz überwinden konnte. Jenseits der Hauptstraße liefen wir nur einmal auf Grund...

Nach der Hälfte der Ruderstrecke (rund 8 km) machten wir eine kurze Pause an Land, da die Hinterteile jener, die ohne Sitzkissen auf die Reise gegangen waren, schon kurz vor dem Entschlafen in die Ewigkeit standen. Gummistiefel oder Winterstiefel waren jetzt die perfekte Wahl, da das Kanalufer äußerst steil, aber vor allem durchnässt war. Wir zogen unsere Kanus also an Land. Die armen Boote sahen aus wie gestrandete Delphine... unser Führer sauste hin und her und ein paar Minuten später brannte ein kleines Lagerfeuer und in einem Kessel darüber erwärmte sich eine im Vorhinein zubereitete Mischung aus Wein und Früchten (dies war ein individuelles Highlight, das von Führer zu Führer verschieden ist). Obwohl es nicht kalt, ja nach langer Zeit sogar endlich wieder einmal die Sonne hinter den Wolken hervorgekommen war, tat das warme Getränk überaus wohl.

Nach ungefähr 20 Minuten Pause glitten wir wieder im Wasser dahin. Im Sonnenschein stachen die Paddel gemächlich ins Wasser und die Gesichter wandten sich gleichzeitig den wärmenden Strahlen zu. Auf dem Rest der Strecke gab es nichts Aufregendes mehr. Nur zwei kräftigere Zuflüsse neckten die unaufmerksamen Kanufahrer. Die Stille und die Natur, die gerade noch ihren Winterschlaf hielt, beherrschten alles.

In der Ferne wurde das Dach eines Hauses hinter dem Damm immer höher, was uns signalisierte, dass unsere Reise bald zu Ende sein würde. Bei der Schleuse verließen wir den Kanal, der von dort an unter ständigem Naturschutz steht. Trotz des leichten Tempos, der geringen Entfernung und des leichten Winds spürten wir eine angenehme Müdigkeit in unseren Armen. Nachdem wir die Boote auf den Anhänger geladen hatten, ging es mit dem Auto auch schon wieder zurück zum Ausgangspunkt.



Untertauchen auf dem Weg zur Heilung

 

Wir waren wiederum bei der Schleuse, machten uns aber nicht mehr vom See weg, sondern in Richtung des Sees auf die Socken. Genauer auf die Pantoffel, die wir gegen die Winterschuhe und Gummistiefel tauschten, wie auch die Windjacke gegen Handtücher.

Im Badehaus konnten wir zahlreiche Dienste in Anspruch nehmen und uns entscheiden, ob wir im See zwischen Seerosen oder im überdachten Teil baden wollten. Der See ist im Winter, trotz des Thermalwassers, ein bisschen ein wilderes Abenteuer - das Seewasser kühlt durch die kalte Luft auf 20-24 Grad ab und der Wind macht es noch unangenehmer. Wann bist du das letzte Mal zwischen Seerosen geschwommen? Sei ehrlich! Nicht wahr... Also bissen wir für eine kurze Runde die Zähne zusammen.

Im überdachten Teil war es wärmer. Dort bläst einerseits kein Wind, andererseits wird das 40 °C warme Wasser aus der Höhlenquelle direkt hierher geleitet! Wie wohl das Räkeln im warmen Wasser unseren alten Knochen tat!

3 Stunden später schlurften dir durch die Tür des Bads. Die Ruderpartie und das warme Thermalwasser hatten stark an unseren Kräften gezehrt. Ein lautes Knurren signalisierte, dass wir Fischlein uns etwas hinter die Kiemen schieben sollten! Wir suchen also rasch ein sympathisches Restaurant, um dem Ruf unserer eigenen Natur zu gehorchen...

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